Tag der Energie: Wie in Wieselburg aus Alkohol Wärme wird

Der Tag der Energie ist ein Anlass, um Pionierleistungen im Bereich Ressourcenschonung und Energiewende vor den Vorhang zu holen. In der Brauerei Wieselburg, Teil der Brau Union Österreich, zeigt ein innovatives Projekt eindrucksvoll, wie moderne Brautechnologie und nachhaltige Energieerzeugung zusammenwirken. Der Clou: Aus einem Nebenprodukt der alkoholfreien Bierherstellung wird Wärme gewonnen – mit spürbarem Effekt für Umwelt und Energieverbrauch.

Aus Alkohol wird Wärmeenergie

Bei der Herstellung von Bieren wie Wieselburger 0,0 % oder Heineken 0,0 % kommt ein besonders schonendes Verfahren zum Einsatz: die Vakuumdestillation. Dadurch bleibt der Geschmack erhalten – und der verdampfte Alkohol wird zurückgewonnen. Dieser hochprozentige Alkohol (75–80 Vol.-%) wurde früher an Industriebetriebe als Lösungsmittel verkauft. Heute wird er vor Ort weiterverwertet – als Bioethanol.

In einem speziell entwickelten Dampfkessel wird dieser Alkohol in Form von feinem Nebel verbrannt. Die so erzeugte Wärme wird ins eigene Energienetz der Brauerei eingespeist.

Zahlen, die Wärme schaffen

  • 250 Hektoliter Bioethanol pro Woche
  • 1 Million Liter Alkohol jährlich
  • 3.800 Megawattstunden erzeugte Wärme pro Jahr
  • 20 % des thermischen Energiebedarfs gedeckt
  • 800 Tonnen CO₂-Einsparung im Jahr 2024
  • 1,5 Millionen Euro Investition
  • bis zu 25 % Förderung durch das Klimaschutzministerium

Diese Kennzahlen unterstreichen, wie effektiv das Projekt zur Substitution fossiler Brennstoffe beiträgt – konkret durch die Einsparung von Erdgas.

Ein System mit Zukunft

Der Dampfkessel – entwickelt vom oberösterreichischen Unternehmen astebo – funktioniert automatisiert im „BOSB“-Modus (Betrieb ohne ständige Beaufsichtigung) und ist ein Musterbeispiel für Industrie 4.0 im Kontext nachhaltiger Energieerzeugung.

Doch damit nicht genug: Zusätzlich investiert die Brau Union Österreich am Standort der Brauerei Wieselburg in Solarenergie und Fernwärme. Letztere wird seit zehn Jahren vom benachbarten Biomassekraftwerk bezogen – betrieben mit Rinde und Sägespänen. Dessen Erweiterung soll bis zu 80 % des gesamten Energiebedarfs der Brauerei decken.

Innovation trifft Verantwortung

Für Christian Huber, den erfahrenen Braumeister in Wieselburg, ist klar: „Gerade als Bierhersteller sollten wir versuchen, die dabei entstehenden Emissionen zu senken.“ Seit 1993 engagiert er sich für den ressourcenschonenden Brauprozess – stets mit einem Ziel: kompromisslose Qualität, bei größtmöglicher Rücksicht auf Umwelt und Ressourcen.

Das Projekt zur Nutzung von Bioethanol als Wärmequelle ist nicht nur ein Beitrag zur Klimawende, sondern ein Beispiel für unternehmerische Verantwortung in der Praxis. Eine Inspiration für andere Branchen – und ein starkes Statement zum Tag der Energie.

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